Fortnite – mein erster Kontakt


Das Computerspiel Fortnite ist ja nun schon seit längerer Zeit DAS „Spiel-to-play“. Mein erster Kontakt – und wahrscheinlich der vieler anderer Mütter – war jedoch nicht eine Konfrontation mit dem Spiel selbst, sondern ein 7-jähriger Möchtegern-Tänzer, der seltsame, ruckartige Bewegungen vollführte und irgendetwas von Zahnhygiene faselte. Mein digital versierter Mann nannte diese seltsamen Bewegungen den Zahnseide-Tanz und klärte mich in einfachen Worten über das derzeit beliebteste Spiel auf dem Markt auf. Im Vergleich zu anderen Spielen hörte es sich für meine Ohren nicht allzu tragisch an. 

Kurz darauf erfuhr ich eine Geschichte aus dem Umfeld meines Neffens: Ein Freund sollte seinen Eltern Fortnite vorführen und verkaufte es Ihnen als Forstwirtschaftsspiel. Er landete an einer verlassenen Stelle und beschäftigte sich ausschließlich mit dem Fällen von Bäumen. Erst Wochen später fanden Sie heraus, dass er ihnen nur einen kleinen Teil des Spiels gezeigt und das Schießen ausgelassen hatte. Er verzweifelt noch heute an seinem Fortnite-Verbot auf Lebenszeit. 

Natürlich musste ich darüber herzlich lachen. Das war auch ganz leicht, denn unser Sohn spielte dieses Spiel ja auch noch nicht und begnügte sich mit seinen lustigen Moves. Ich konnte also die verzweifelten von Fortnite geplagten Eltern mit mitleidigen Augen betrachten und insgeheim hoffen, dass der Fortnite Kelch bald leer sein und an mir vorübergehen würde.

Dem war leider nicht so und die Situation sieht heute etwas anders aus: “Mama, Papa! Ahalle düürfeeen. Nur ich nicht. Ja, wirklich a-l-l-e.”

Der Wunsch Fortnite zu spielen besteht und kann wohl auch nicht komplett unbeachtet bleiben. Um dem Bedürfnis unseres heute knapp neun Jahre alten Sohnes ein wenig entgegenzukommen, durfte er zusammen mit seinem Vater Teile des Spiels entdecken. Um nicht komplett den Anschluss zu verpassen, wurde die spielunbegabte-weil-spieluninteressierte Mutter eingeladen, auch mit von der Partie sein.



Wie viel Fortnite ist okay?

So. Und was denke ich nun darüber? Als drittes Kind aus einem sehr liberalen Haushalt, kann man meine Einstellung als eher locker bezeichnen. Ich gehöre nicht zu den Erwachsenen, die ihre Kindheit und Jugend vergessen haben. Ich erinnere mich daran, wie cool ich es fand, Monkey Island auf dem C64 meines Bruders zu spielen. Yeah! Um Freddy Kruegers Nightmare on Elmstreet schauen zu können, widersetzte ich mich einfach dem Verbot meiner Eltern und schaute den Horrorfilm kurzerhand bei einer Freundin. Allerdings bin ich heute noch todtraurig, dass mein Wunsch nach einem Gameboy nie erfüllt wurde.

Kurz und gut, ich denke, ich habe recht viel Verständnis für Kinder und Jugendliche und ihre Wünsche. Das Spiel Fortnite machte auf den ersten Blick keinen furchtbar gewalttätigen Eindruck auf mich. In dem von uns gewählten Modus traten 100 Spieler mit verschiedenen Waffen gegeneinander an. Selbst gebaute Verstecke, Festungen und Hindernisse lieferten die Kulisse. Blut floß keines und die besiegten Spieler verendeten keineswegs langsam und qualvoll, sondern lösten sich im digitalen Nichts auf. Alles also halb so wild. Früher wurde ja auch nach Zinnsoldaten gegriffen, um Krieg zu spielen, dachte ich mir so auf den ersten Blick.

Wie sieht es aber mit dem Drumherum aus? Der Spielmodus Battle Royal ist kostenlos. Super, wie ich finde! Dann kann ich mehr Geld für andere Dinge ausgeben.  Innerhalb des Spiels lauern jedoch mehr als genug Möglichkeiten, um Geld auszugeben. Unglaublich, aber wahr: Damit die anfangs erwähnten Tänze im Spiel von dem eigenen Charakter ausgeführt werden können, muss Geld bezahlt werden. Für weitere Klamotten und Gesten ebenso, also besser die In-App Käufe deaktivieren, falls das Spiel mobil gespielt wird.

Besonders verführerisch ist außerdem die Online-Kommunikation mit anderen Spielern. Das können dann auch Leute sein, die man nicht persönlich kennt, was ich nicht ganz so toll finde. Hängen die Kinder nur mit ihren Freunden ab, die sie aus dem realen Leben kennen, ist das eine ganz andere Nummer. Wenn es bei uns soweit ist, wird die erste Zeit sicherlich die Regel gelten: Es wird in Hörweite bzw. im Wohnbereich gespielt.

Auf mich hat das Spiel darüber hinaus, auch ziemlich stressig gewirkt. Zugegeben, das könnte an meinem analogen Hintergrund liegen – oder vielleicht doch an meinem Alter? Trotzdem muss man verflixt auf der Hut sein, um sich gegen die anderen 99 Spieler durchzusetzen. Im Normalfall dauert es nicht besonders lange, bis die eine Runde zu Ende ist. So beginnt man die nächste und die nächste und die… Was mich wiederum zum Thema Zeit bringt. Einzelne Runde dauern bis zu 20 Minuten. Meine Standardansage “Nur noch 5 Minuten!” sollte ich somit lieber auch vergessen, um unnötigen Frust zu vermeiden? Überdenken wäre wohl besser. Vielleicht finde ich hier Tipps?


“Videospiele sind kein Entertainment mehr, das man zusätzlich zum Fernsehen konsumiert, in die man sich ein- und wieder ausloggt. In gewisser Hinsicht funktionieren die beliebtesten Games selbst wie TV-Sender: Sie bieten rund um die Uhr Programm – selbst dann, wenn man gar nicht selbst spielt.”

www.zeit.de – Fortnite – Das Spiel, vor dem sich Netflix fürchtet

Lange Rede, kurzer Sinn. Darf unser Sohn nun irgendwann Fortnite spielen oder nicht?  Verhelfe ich ihm zum Außenseiterstatus weil – O-Ton – “ALLE anderen dürfen spielen, nur ich nicht!” Oder darf er, weil es halt dazu gehört? Wenn es soweit ist, halte ich mich wohl einfach wieder an mein persönliches Credo: Ja, aber alles in Maßen! Fortnite ja, aber ohne weitere Ausgaben. Online-Kommunikation ja, aber nur in “geschlossenen” Chats. Spielen ja, aber mit vorgegebenen Zeitlimits und eventuell der Erlaubnis, die Runde zu Ende spielen zu dürfen. 

Mal sehen, wie sich dieses Vorhaben in die Tat umsetzen lässt, wenn es soweit ist. Was interessieren dann mich meine Vorsätze vom letzten Jahr? Oder halte ich daran fest und habe Erfolg damit? Ich halte Sie auf dem Laufenden.



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