FIFA 16  – die Einstiegsdroge


Jetzt reden wir mal Tacheles: Wer ist schuld daran, dass unser mittlerweile 8-jähriger Sohn mindestens einmal am Tag, um die Erlaubnis bittet PlayStation spielen zu dürfen? Ganz ehrlich? Das bin dann wohl ich – schuldig im Sinne der Anklage. Obwohl … vielleicht können wir auch die Fußball-Leidenschaft unseres Sohnes dafür verantwortlich machen. Erleichterung macht sich breit. Der Sport war es also. Nicht die Mutter. Und ganz ehrlich. Wenn man die ganzen Horror-Geschichten anderer Eltern hört, dann können wir uns ja auch noch glücklich schätzen, dass wir überhaupt, sogar meist höflich, gefragt werden. 

Aber nun der Reihe nach. Unser Sohn hat im zarten Alter von 3 Jahren seine Leidenschaft für Fußball entdeckt. Mit der Zeit griff diese Fußballvernarrtheit um sich und mittlerweile gibt es eigentlich keinen Jungen mehr im Umfeld, der nicht im Verein spielt. Natürlich begann dann auch die Zeit der Fachsimpelei über Spieler und Vereine der Bundesliga. Dabei blieb nicht aus, dass ich das ein oder andere Gespräch mitverfolgen durfte. Unser Sohn warf dabei meist die falschen Kommentare ein und stimmte in den unpassendsten Momenten zu oder verneinte Dinge, die eigentlich so richtig waren. Seine Freunde schauten ihn dann etwas scheel an, was mir unglaublich leid tat. Aber woher sollte er seine Fußballinfos auch bekommen? Vom Sportlehrer-Papa, der sich jedoch 0,0 für Fußball interessiert? Oder von mir, die sich noch weniger darum schert?

Meine Idee deshalb: Wir lassen ihn FIFA auf der alten PlayStation meines Mannes spielen. So wird er spielerisch an das Thema herangeführt. Yay! Dafür habe ich einen Orden verdient … dacht ich … damals. Auch der Medienpädagoge an meiner Seite war der Meinung, dass man Kindern die digitale Lebenswelt nicht versperren, sondern einen angeleiteten Zugriff darauf ermöglichen sollte. Soweit so gut.

Damals hatte ich mir jedoch nicht wirklich Gedanken darüber gemacht, wie sich das Spiel- und Freizeitverhalten im Zeitverlauf ändern wird. Heute bleibt die Frage nach einer Spieleeinheit an keinem einzigen Tag ungefragt. Sogar und vor allem wenn Freunde da sind, werde ich mit Fragen nach ein bisschen PlayStation-Zeit bedrängt.  Bisher lassen wir das auch noch begrenzt zu. Vor allem vor dem Hintergrund, dass ausschließlich Spiele gespielt werden, die sie zusammen spielen können. Aber ganz ehrlich? Ich bin mir nicht sicher, wie lange diese Vorgabe in Zeiten von Fortnite und Co. noch durchzusetzen ist. Wahrscheinlich treffen sich die Freunde bald nicht mehr physisch, sondern nur noch online in irgendwelchen Spielewelten. Und was haben wir diesen Entwicklungen entgegenzusetzen außer Konsequenz und Strenge? Offenheit und Neugier? Wir werden sehen.