Mein persönliches InstaGate


Verhalten 34. Aussehen 28. Gefühlt 22. Wunschdenken. Die Realität sieht jedoch leider ganz anders aus. Ich bin 38 Jahre alt. Verhalte mich so, sehe so aus und fühle mich so. Von Zeit zu Zeit wird mir immer mal wieder die Nase an dieser Erkenntnis platt gedrückt. Ein letztes Aha-Erlebnis dieser Art hatte ich nun beim Thema Instagram. 

Da ich im Online-Bereich arbeite, stehe ich schon beruflich unter einem gewissen Zugzwang. Die wichtigsten Vertriebsbereiche des Online-Marketings muss ich einfach kennen, um Mitwirken zu können. Dementsprechend habe ich Nutzerkonten in den wichtigsten Social Media-Kanälen. Diese dienten bisher ausschließlich dazu, anderen beim Seelen-Striptease zuzuschauen. Da ich jedoch immer wieder mit digital tiefschürfenden Gedanken meines Mannes und nun auch mit einem verstärkten digitalen Erwachen unseres 8-jährigen Sohnes konfrontiert werde, wurde ich den Gedanken nicht los ein wenig mehr in diesem Bereich tun zu müssen. Da Instagram sowohl im Business-to-Consumer-Bereich, als auch bei Jugendlichen eine der wichtigsten Rollen einnimmt, dachte ich mich diesem Phänomen nun doch nähern zu müssen. Aus meinem passiven Lurker-Konto ein Aktives zu machen. 

Nun. Wie geht man da vor? Was habe ich denn so zu erzählen? Ich mag Mode, zigtausend andere InstaMenschen auch. Ich bin Mutter. Wow, wie einzigartig. Ich hatte zwei Bandscheibenvorfälle, eine Op, eine Narbe. Wen interessierts? Ich gehe gerne Laufen. Millionenfach andere Leute auch. Ich liebe Kaffee, Ben-and-Jerrys und das Meer. Soll ich noch weiter ausführen?

Ich hab’s  trotzdem probiert. Ernsthaft. Ich habe zuerst einmal Bilder gesammelt, die ich posten könnte, um auf mein großes Coming-Out vorbereitet zu sein. Bei deren Durchsicht bekam ich jedoch unweigerlich einen Lachanfall. Meine Selbstportraits  schreien nach einem Selfie-Tutorial auf Youtube, meine Kinder sind mir noch zu sichtbar und überhaupt, ganz ehrlich, eine Frage drängt sich mir dabei einfach immer wieder auf: WEN INTERESSIERT’S? 

Bisher konnte ich diese Frage noch nicht beantworten. Vielleicht klappt das ja mit etwas Abstand? Vielleicht bin ich doch einfach zu alt für dieses Thema? Oder liegt es an meiner Generation? Ich habe meine Instagram-Pläne daher erstmal ad acta gelegt, begnüge mich bis zu meinem nächsten Versuch mit meiner Lurker-Position und hoffe den digitalen Zug trotzdem nicht ganz zu verpassen.