Wie viel Smartphone ist okay?


Zwei meiner Kollegen haben da gerade eine Challenge am Start. Beide messen und vergleichen ihre Bildschirmzeiten am Smartphone. Dabei sollte nicht unerwähnt bleiben, dass es sich bei den Kontrahenten um einen Single-Mann und eine Mutter mit Mann und zwei Kindern handelt. Man möchte meinen, dass Ersterer mehr Zeit zum Chatten, Surfen, Twittern findet. Nun – surprise, surprise– dem ist absolut nicht so. Meine Kollegin geht mit durchschnittlich fast 5 Stunden pro Tag ins Rennen, während mein Kollege lediglich knapp 3 Stunden zustande bringt. An den Wochenenden verschieben sich diese Zeiten zu Gunsten der Mutter.


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https://www.youtube.com/watch?v=nwXFlUNZADc

Diese Zahlen machen mich dann doch nachdenklich. Natürlich bedeuten die gleichen Parameter – Frau, Mutter, zwei Kinder, Mann – nicht sofort die gleichen Smartphone-Nutzungszeiten. Aber wer weiß. Vielleicht sollte ich mein Kleinanzeigen-Kleiderkreisel-WhatsApp-LinkedIn-Xing-Zeit-Shopping-Verhalten ebenfalls einer Prüfung unterziehen? Wenn ich an verschiedene Locations denke, in denen Eltern aufeinandertreffen, wird mein Drang zur Selbstreflektion immer stärker. Egal, ob in der Kindernotfallambulanz, im Zoo oder im Picknickbereich des Museums, jeder zweite Erwachsene hat ein Smartphone in der Hand, um sich selbst die Zeit zu vertreiben oder die gelangweilten, krähenden Kinder zu beschäftigen.

Ein echtes Buch, so richtig mit Seiten und Buchstaben, ist da schon eher eine Rarität. Natürlich muss auch jeder einzelne Moment mit den Kindern festgehalten werden. Wenn sie traurig sind, wenn sie sich freuen, wenn sie doof sind, wenn sie mit Freunden spielen, wenn sie trinken, wenn sie essen und ganz einfach, wenn sie sie sind. Wie praktisch, dass man mit diesen handlichen kleinen Teilen auch Fotos machen kann.  Und ganz ehrlich? Wer kann sich davon schon ausnehmen? Nicht nur unterwegs, sondern auch und vor allem Zuhause ist das mobile Lieblingsendgerät allzeit bereit. Wo früher das Lexikon gezückt wurde, wird jetzt kurzerhand das Smartphone oder das iPad zu Rate gezogen. Wen frage ich, wenn ich mal wieder keine Ahnung habe, was ich kochen soll? Das Internet. Und wer kann mir sagen, wo der nächste Kindergeburtstag stattfindet. Google Maps. Kinderschminken zu Karneval? DIY-Schultüten? Pinterest. Und so weiter und so fort.

Unseren Kindern schreiben wir Mediennutzungszeiten vor. Und uns? Wer schreibt uns vor, wann und wieviel Zeit wir mit unserem Smartphone verbringen? Klar. Wir sind erwachsen, wir sollten es besser wissen. Aber was und wieviel Zeit ist denn nun angemessen? Sollten wir uns nicht auch mehr Gedanken darüber machen, wie häufig unsere Kindern uns mit dem Smartphone in der Hand sehen? Ich denke schon. Man sollte nicht Wasser predigen und Wein trinken. Wahrscheinlich gibt es auf die Frage nach einer angemessenen Nutzungsdauer auch nicht nur die eine richtige Antwort. Wichtig ist meines Erachtens, sich jeden Griff danach bewusst zu machen; daran zu denken, dass die Kinder uns oft dabei zusehen – alles in Maßen. Die Messung und Überprüfung der Bildschirmzeit kann dabei sicherlich von großem Nutzen sein. Nur soviel: Durchschnittlich 3½ Stunden am Tag sind auch in meinem Fall sicherlich stark verbesserungswürdig.