Lisa und Lena verabschieden sich. Oh – mein – Gott. Wer das ist? Wusste ich bis vor Kurzem auch nicht. Dann hat mich mein Social-Media-versierter-Mann ganz dezent auf eine Plattform namens TikTok aufmerksam gemacht: „ Was? Das kennst du nicht?“ und „Lisa und Lena? Die schwäbischen Zwillinge? Top-Influencer auf TikTok? Nicht dein Ernst?“. Doch mein Ernst. Ich kannte das nicht. Weder TikTok noch Lisa und Lena. In einem kurzen Stand-up wurde mir daraufhin das Basiswissen zu TikTok vermittelt. Ehemals Musical.ly?! Hättest du doch gleich sagen können. Musical.ly sagt mir was. Das ist doch diese Plattform, auf der man selbst aufgenommene Videos hochladen und teilen kann? Und die heißt jetzt – seit mickrigen 12 Monaten – TikTok? Aha.


Eine verantwortungsbewusste Mutter sollte im Social Media Zeitalter immer up-to-date sein? Stimmt! Eine gute Entschuldigung für mein Nichtwissen ist auf jeden Fall mal das Alter meiner Kinder. Mit sechs beziehungsweise neun Jahren kamen sie bisher noch nicht auf die Idee, Videos zu drehen und diese zur Schau zu stellen. Nichtsdestotrotz habe ich nun versucht, meine offensichtliche Wissenslücke zu schließen. Ich habe mir ein Konto angelegt. Keine neue Erfahrung für mich, da ich ja schon auf anderen Plattformen ein Lurkerkonto besitze.

Die Erstellung des Accounts ging unkompliziert vonstatten. Etwas befremdlich dabei: Offiziell ist die Nutzung erst ab 13 Jahren möglich. Dies wird jedoch nur über die Eingabe des Geburtsdatums kontrolliert. Ist man dann drin, sieht man viele Kinder, die auch deutlich jünger sein könnten. 


Was ist aber nun so prickelnd an diesem Online-Dienst, dessen Nutzungsdaten unter Jugendlichen derart hoch sind? Neben der altbekannten digitalen Selbstdarstellung, der Suche nach Anerkennung und etwaigem Trendsourcing, sind es wohl die Challenges, die zum Mitmachen reizen.  

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https://www.youtube.com/watch?v=VI_qZRD_rTw

Ob #Krabbe –  laufen wie eine Krabbe, #model – posieren wie ein Model oder einfach nur einen bestimmten Tanz nachmachen, es finden sich immer zahlreiche Jugendliche und auch Erwachsene – Himmel hilf – die sich bemüßigt fühlen, einen Clip zu drehen. Besonders auffallend fand ich hier wieder, wie ähnlich sich die weiblichen Teilnehmer doch oft sind. Junge Frauen mit wasserstoffblonden Haaren bis zum Hintern, überschminkten Lippen und Augenbraunen so breit wie Flugzeuglandebahnen überbieten sich gegenseitig im viel Haut und wenig Hirn zeigen. Das war jetzt böse, oder? Natürlich gibt es auch einige Ausnahmen: Vor allem die Tanzleidenschaft der verschiedenen Akteure, aber auch deren Humor kann den Zuschauer verzaubern. Aber möchte ich hier gerne meine eigenen Kinder wiederfinden? Ganz ehrlich? Das möchte ich nicht. Ich stamme aus einer Generation, die meist ohne Fotoapparat und Videokamera aus dem Haus gegangen ist. Und das ist auch gut so. Das eine Bild, das mich im volltrunkenen Zustand zeigt, ist völlig ausreichend. Unsere Kinder haben heute jedoch die Qual der Wahl: „Stelle ich mich und mein Leben nur per Foto und kurzen Insta-Stories dar oder zeige ich mich lieber im Video auf TikTok? Oder vielleicht auch beides?“. Oh Gott! Ganz einfach verbieten, geht aber auch nicht. Soweit waren wir ja schon. 


Was würde ich also tun? Wahrscheinlich wieder dasselbe wie bei vielen anderen, vor allem digitalen, Themen auch – mich selbst informieren. Zusammen ein Konto einrichten und über die Sicherheits-und Profileinstellungen sprechen. Die Kinder sollen sich außerdem im Vorfeld Gedanken darübermachen, was und wieviel sie wirklich mit anderen teilen wollen und was nicht. Wie sieht korrektes Verhalten im Netz aus und kann man andere, die nicht dementsprechend agieren, melden? Es sind solche Grundsätze, die eine begrenzte Nutzung von Plattformen dieser Art, möglich machen können. 

Ein richtig gutes Gefühl, werde ich wohl trotzdem nicht haben, wenn meine Kinder in diese Zielgruppe hineingewachsen sind. Mein kleines Mädchen und sich so zur Schau stellen? Echt jetzt? Aber vielleicht, ist dann ja auch schon ein anderer Online-Dienst am Start: „Ich und mein Leben zum Mitleben.“ Oder so ähnlich.  Arrrgh.